Verpackungs-Trend

Die zehn wichtigsten Trends in der Verpackungsindustrie

Trends versprechen h├Ąufig die Zukunft zu verraten und wer m├Âchte nicht gerne seinen Wettbewerbern den ber├╝hmten Schritt voraus sein? Ein Trend ist vereinfacht ausgedr├╝ckt eine Tendenz, eine Richtung, in die eine Entwicklung geht. Berndt+Partner hat in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Befragungen in der Verpackungsindustrie durchgef├╝hrt. Viele der ├╝ber 1.000 Expertengespr├Ąche erstreckten sich ├╝ber die Grenzen Europas bis nach Japan und Nordamerika. Verdichtet ergibt sich daraus ein Bild der zehn wichtigsten Trends und Themen in der Verpackungs- branche:

1. Branding - das Verpackungsunternehmen als Marke

Eine Marke ist ein Versprechen an den Kunden ├╝ber die eigenen Leistungen und Produkte. Fr├╝her war die Marke vorwiegend im Konsumg├╝terbereich wichtig, zuk├╝nftig wird sie auch in der Verpackungsindustrie an Bedeutung zunehmen. Aufgrund der Globalisierung und der immer dichter werdenden Vernetzung regionaler M├Ąrkte hat sich die Anzahl an potenziellen Lieferanten der Verpackungsindustrie deutlich erh├Âht, was vielenorts zu einem immer h├Âheren Preisdruck f├╝hrte. Die angebotenen Produkte (Roh- und Hilfsstoffe, Packstoffe und Packmittel ...) verschiedener Lieferanten erscheinen vergleichbar und unterscheiden sich augenscheinlich nur durch andere Typen- oder Sortenbezeichnungen. Dementsprechend zieht ein Eink├Ąufer oftmals den Preis als Entscheidungsgrundlage f├╝r oder gegen einen Lieferanten heran. Vor diesem Hintergrund versuchen viele Unternehmen der Verpackungsindustrie sich vom reinen Lieferanten zum B2B-Markenartikler weiterzuentwickeln. Der Aufbau und die Pflege der Marke werden wichtige Bestandteile der Unternehmensstrategie mit dem Ziel, Kunden nachhaltig an ein Unternehmen zu binden und neue Produkte schneller und erfolgreicher in den Markt einf├╝hren zu k├Ânnen. Untersuchungen zeigen, dass Kunden im B2B-Bereich vor allem eine Risikominimierung durch den Kauf eines ÔÇ×Markenproduktes" erwarten. Zuk├╝nftig ist davon auszugehen, dass sich die Markenphilosophie in der Verpackungsindustrie noch st├Ąrker ausbreitet.


2. Internationalisierung - Verpackungsindustrie goes East
Die Verpackungsindustrie ist mittelst├Ąndisch gepr├Ągt. Demgegen├╝ber stehen die eher global agierenden Rohstoffhersteller und Unternehmen der Konsumg├╝terbranche. Vor allem die international breit aufgestellten Kunden der Verpackungsindustrie fordern von ihren Lieferanten eine Internationalisierung des Unternehmens. Mit diesem Anspruch steigt auch die Bereitschaft der Lieferanten einen neuen Standort au├čerhalb Deutschlands zu er├Âffnen. Das Risiko eines schlecht vorbereiteten und strategisch falschen Schritts ins Ausland ist jedoch hoch und kann existenzielle Ausma├če annehmen. Eine Studie von CAP Gemini zeigt, dass der erste Schritt der Internationalisierung meist zum direkten Nachbarn f├╝hrt. So wird Frankreich mit 32 % der Nennungen vor ├ľsterreich und der Schweiz mit jeweils 26 % als Zielmarkt favorisiert. Trotz des bereits stark gestiegenen Lohnniveaus in den L├Ąndern Osteuropas, stehen diese ebenfalls ganz oben auf der Wunschliste.

Der Aufbau einer eigenen Produktion wird durch die geringe Arbeitslosenquote und den Fachkr├Ąftemangel jedoch erschwert, es bleibt h├Ąufig nur die ├ťbernahme. Internationalisierung ist gerade f├╝r die noch stark mittelst├Ąndische Verpackungsindustrie eine der gro├čen Herausforderungen der Zukunft.


3. M&A - Konsolidierung in der Verpackungsindustrie schreitet voran
Fr├╝her sind Unternehmen organisch gewachsen, heute kommt es auf der Welt alle 20 Minuten zu einer Mergers & Acquisitions-Transaktion. Ein anderer h├Ąufiger Grund f├╝r Unternehmensver├Ąu├čerungen sind ungel├Âste Nachfolgeregelungen. Am M&A Markt agieren eine Reihe von Unternehmen, die sich auf die Bed├╝rfnisse von mittelst├Ąndischen Unternehmen der Verpackungsindustrie spezialisiert haben.

Im Vergleich zu anderen Industriesparten ist die Anzahl der Transaktionen noch ├╝berschaubar. Eindeutig ist jedoch, dass die Konsolidierung der Verpackungs- branche in den n├Ąchsten Jahren weiter voranschreiten wird. Allein im Bereich der flexiblen Verpackungen haben in den letzten 12 Monaten unter anderem namhafte Unternehmen wie z.B. Unterland Flexible, CFS Folien oder Kobusch-Sengewald den Eigent├╝mer gewechselt.

4. Change Management - Ver├Ąnderungen gestalten wird zunehmend wichtiger
Fr├╝her gab es alle f├╝nf Jahre mal eine neue Strategie, heute und zuk├╝nftig gibt es einen kontinuierlichen Wandel. Auch die Unternehmen der Verpackungsindustrie stehen unter dem Druck, sich den ver├Ąndernden Marktbegebenheiten anzupassen. Es zeigt sich, dass sich das externe Tempo der Ver├Ąnderung in industriellen M├Ąrkten beschleunigt. Die Treiber sind unter anderem der steigende Wettbewerbs- und Preisdruck, die h├Âhere Komplexit├Ąt, der Bedeutungszuwachs der Internationalisierung. Vor diesem Hintergrund wird in vielen Unternehmen ein aktives Change Management impliziert, welches die Ver├Ąnderungen gestalten und steuern soll.

W├Ąhrend fr├╝here Umorganisationen ÔÇ×nebenbei mitgemacht wurden" gehen heute auch klein- und mittelst├Ąndische Unternehmen zu professionellen Change Projekten ├╝ber. Und da es immer etwas zu ver├Ąndern gibt, wird das Change Management immer mehr zum Teil der Unternehmensstruktur.


5. Flexibilit├Ąt und Lieferzeit
Die heutige Marktentwicklung steigert den Bedarf an Flexibilit├Ąt und kurzen Lieferzeiten in der abpackenden Industrie. Die aus Marketingsicht langen Lieferzeiten der Unternehmen der Verpackungsindustrie beschr├Ąnkten bisher den Einsatz von Verpackungen als Instrument der Markenkommunikation. Promotion-Packungen beispielsweise sollen auch kurzfristig und aktuell verf├╝gbar sein. F├╝r diese Herausforderung bedarf es nicht nur flexibler Technologien wie dem Digitaldruck, sondern auch einer verlinkten Wertsch├Âpfungskette um die Produktionszeiten zu reduzieren.
Ein Schritt, um die Wertsch├Âpfungskette zu verlinken, sind ├╝bergreifende Systeml├Âsungen. Diese sind gekennzeichnet durch Kooperationen von unterschiedlichen Mitgliedern entlang der Value Chain. Beispielhaft f├╝r einen derartigen Ansatz ist die noch ganz frische ├ťbernahme von Pago durch Fuji Seal.

Systeml├Âsungen sind also der Versuch, die Komplexit├Ąt der Wertsch├Âpfungskette aus Sicht des abpackenden Unternehmens zu reduzieren und dabei einen Mehrwert zu stiften. In der Verpackungsindustrie gibt es derzeit verst├Ąrkt die Bem├╝hungen, wertsch├Âpfungsketten├╝bergreifende Entwicklungen durchzuf├╝hren, sodass man in den n├Ąchsten Jahren ein breiteres Angebot in diesem Segment erwarten kann.


6. Markendifferenzierung
Der Markt ist polarisiert, das mittlere Produktsegment wird seit Jahren immer st├Ąrker von Commodity- und Premiumprodukten verdr├Ąngt.. F├╝hrende Markenartikler sprechen von einer Premiumisierung der Markenwelt.

Umso wichtiger wird die Markendifferenzierung auch durch die Verpackung. Verpackungen sollen den Kunden emotional ansprechen und sich so von den Wettbewerbsprodukten differenzieren. Multisensorik ist seit l├Ąngerem ein Schlagwort, das in der Fachwelt aufgegriffen wird. Die Markenbotschaft soll f├╝r den Konsumenten sicht-, f├╝hl-, riech- und h├Ârbar sein. Sicht- und f├╝hlbare Differenzierung sind in den unterschiedlichsten Ausf├╝hrungen bereits im Markt zu finden. Dazu z├Ąhlt eine unverwechselbare Formgestaltung, Druckbilder mit Effektpigmenten oder Soft-Touch-Anwendungen.

Seltener, aber doch im Markt zu finden, sind duftende Verpackungen. Dabei soll der Konsument z. B. mit Duftetiketten das Produkt schon vor dem Kauf erleben k├Ânnen. Aufgrund des zunehmenden ÔÇ×Angriffs" auf die menschlichen Sinne gibt es derzeit die ersten Kritiker, die beispielsweise die Verbreitung von Duftstoffen, z. B. zum Schutz vor Allergikern verhindern wollen. So werden wohl auch zuk├╝nftig Sehen und F├╝hlen die wichtigsten Sinne f├╝r die Verpackungsindustrie zur Ansprache des Kunden bleiben.


7. Convenience
Der Begriff Convenience ist einer der Trendbegriffe, der am h├Ąufigsten verwendet und am wenigsten griffig ist. Dies liegt vor allem daran, dass sich die Erwartungshaltung des Konsumenten st├Ąndig weiterentwickelt. Deutlich wird dies am Beispiel des Kochens. Fr├╝her wurde eine Mahlzeit zu Hause aus Grundzutaten hergestellt. Nudeln wurden noch selber gemacht und das Eindicken einer So├če erfolgte mittels Mehl. Um das Leben angenehmer zu machen, wurden Kochkomponenten (wie z. B. die Fertigso├če in Pulverform) und nochmals sp├Ąter fertige Ofengerichte entwickelt. Heute w├╝rden die wenigsten Konsumenten eine Tiefk├╝hlpizza als Convenience-Produkt bezeichnen es sei denn sie ist mikrowellenf├Ąhig.

Im Markt gibt es bereits Anwendungen, die die n├Ąchste Convenience-Stufe erf├╝llen - selbsterhitzende Verpackungen z. B. f├╝r Tee und Kaffeeprodukte. Der Convenience-Gedanke ist also die permanente Anforderung des Konsumenten an die Hersteller ihre Produkte weiterzuentwickeln, was auch f├╝r die Verpackungen gilt. F├╝r die Anbieter ergibt sich damit ein dauerhafter Innovationsdruck.


8. Marken- und Konsumentenschutz
F├Ąlschung und Nachahmung von Markenprodukten ist so alt wie die Markenpolitik selbst, aber die Bedeutung hat sich in den letzten 25 Jahren enorm gesteigert. In dieser Zeitspanne hat sich der Schaden durch Produktf├Ąlschungen weltweit mehr als verhundertfacht. Dass Produktpiraterie nicht nur die Gewinne von Markenartiklern hochpreisiger Verbrauchsg├╝ter reduziert, sondern, dass es auch zur gesundheitlichen Gef├Ąhrdung des Konsumenten kommt, zeigte ein Fall in den USA. Hier wurden in mehreren Staaten gef├Ąlschte Zahnpflegeprodukte sichergestellt, die kein Fluorid sondern eine giftige Substanz enthielten, die unter anderem in K├╝hlsystemen zum Einsatz kommt.

In der pharmazeutischen Industrie wird davon ausgegangen, dass bereits jedes elfte Medikament eine Produktf├Ąlschung ist und die Anzahl registrierter F├Ąlle von Arzneimittelf├Ąlschungen weiter ansteigt.

Dementsprechend sind bereits verschiedene Systeme im Einsatz wie beispielsweise die Coin-React-Farbe, bei der ein Logo nur durch das Reiben mit einer M├╝nze sichtbar wird oder kombinierte Druckbilder von Offset- und Pr├Ągedruck, die ein dreidimensionales Bild erzeugen.
Bei den neuesten Ans├Ątzen werden QR Barcodes eingesetzt durch die einzigartige Seriennummern auf die Verpackung aufgebracht werden k├Ânnen. Doch aus dieses System ist noch nicht g├Ąnzlich ausgereift. Fragen ├╝ber die gewaltige Datenmenge und das damit verbundene Datenmanagement sind noch ungekl├Ąrt.


9. Sustainability
Wenn es heute einen ÔÇ×Megatrend" gibt, dann ist es Sustainability. Dabei wird der Begriff Nachhaltigkeit aufgrund der Global Warming Diskussion zurzeit noch auf die Umwelteinfl├╝sse fokussiert. Quer ├╝ber alle Teile der Gesellschaft, Industriezweige und in allen Stufen der Wertsch├Âpfungsstufe wird dieses Thema diskutiert. Die Nachfrage nach Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen nimmt weiter an Fahrt auf.

Warum Unternehmen das Thema so ernst nehmen, zeigt der Markenverband in seiner Brosch├╝re "Marke: Label f├╝r Nachhaltigkeit". ├ľkologische Nachhaltigkeit bietet demnach der Markenartikelindustrie die Chance zur Differenzierung im Wettbewerb und zwar einer schwer zu kopierenden..
F├╝hrende Markenartikler kommunizieren Ziele zur Reduzierung des CO2-Aussto├čes und verpflichten sich zu ├Âkologischer, sozialer und ├Âkonomischer Nachhaltigkeit. Aber auch f├╝hrende Handelsunternehmen in Europa und den USA haben Programme zur Kennzeichnung des Product Carbon Footprint von Produkten eingef├╝hrt und setzen Verpackungen ein, die biologisch abbaubar sind oder auf erneuerbaren Rohstoffen basieren. Bei den Verbrauchern hat sich inzwischen eine neue K├Ąuferschicht etabliert - die LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability), die die erste ├ľko-Generation verdr├Ąngen. Die LOHAS sind dabei nicht verzicht- sondern genussorientiert, was sie damit auch zur attraktiven Zielgruppe der Markenartikler macht. Und diese Gruppe fordert nicht nur Bio-Produkte sondern auch Bio-Verpackungen.


10. Demographische Entwicklung
Das sich ein demographischer Wandel in der Gesellschaft abzeichnet, ist keine neue Erkenntnis, trotzdem muss die seniorengerechte Verpackung als Trend gesehen werden. Bei den Markenartiklern gewinnen die Senioren, die als Best Ager oder auch als Silver Surfer bezeichnete Bev├Âlkerungsgruppe, als neue Zielgruppe sehr stark an Bedeutung. So gibt es bereits eine breite Palette an Produkten z. B. in der Kosmetik die auf die Anspr├╝che der Senioren ausgelegt sind.

Die seniorengerechte Verpackung greift aber viel weiter als die Schaffung neuer Produktlinien. 2040 werden rund 1/3 aller Verpackungen in Deutschland von Senioren gekauft. Davon werden die wenigsten Seniorenprodukte sein, sondern Produkte des t├Ąglichen Bedarfs, die nicht speziell f├╝r diese Zielgruppe entwickelt wurden, denn die wenigsten Senioren wollen einen ÔÇ×Rentner-K├Ąse" kaufen.

Heute sind aber nur ein kleiner Teil der Verpackungen seniorengerecht ausgelegt, zu kleine Schriftgr├Â├čen und ung├╝nstige Kontraste, zu kleine ├ľffnungslaschen und zu gro├če ├ľffnungskr├Ąfte etc. erschweren die Handhabung. Wenn man bedenkt, dass sich rund 60 % der Senioren ├╝ber ├ľffnungsprobleme bei ÔÇ×in Kunststoff eingeschwei├čten Produkten" (z. B. Wurst & K├Ąse) beschweren, zeigt sich der hohe Handlungsbedarf f├╝r die Verpackungsindustrie.

Nicht die Gro├čen werden die Kleinen fressen, sondern die Schnellen die Langsamen. (Heinz Peter Halek) ┬ź Dies ist erstmals eine positive Betrachtung f├╝r die ├╝berwiegend mittelst├Ąndisch gepr├Ągte Verpackungsindustrie.
F├╝r die Verpackungsunternehmen stellt sich die Herausforderung, alle Trends, die das Unternehmen betreffen k├Ânnen, kontinuierlich zu erfassen und schnell darauf zu reagieren. Denn das, was jedem Unternehmer bewusst sein sollte: Trends kann man setzen, aber niemals verhindern.


Quelle
Dipl.-Ing. Karsten Beutner und Dipl.-Ing. Sebastian Klaus, Berndt+Partner. Berndt+Partner ist ein unabh├Ąngiges, internationales Beratungsunternehmen im Bereich Verpackung.

 

 

 

Partner-Websites     Verpackungs-Guide                   Kunststoff-Schweiz                   Industrie-Schweiz                   Schweizer-MedTech

Schweizer Verpackung - Das Verpackungs-Portal f├╝r die Schweizer Verpackungsbranche
Folgen Sie Schweizer-Verpackung auf Twitter
Folgen Sie Schweizer-Verpackung auf Facebook
Treten Sie der Gruppe Schweizer Verpackung auf XING bei

Schweizer-Verpackung - das Internetportal
f├╝r die Schweizer Verpackungsindustrie

Linkedin

 

Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV)

Suchen

×

☰Menü  

Startseite
Suchen 

 

Moplast Kunststoff AG